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In den U-Bahnen kann man nicht sehen, wie sich die Brustkörbe der Menschen heben und senken, und viele möchten allein mit ihrem Gepäck auf zwei Plätzen sitzen. Gepäck heißt: kleine Handtasche und Lackschuhe, deren Spitzen gewebt sind und dadurch aussehen, als wären sie aus Schlangenleder. Aus der Tasche blinken Zettel hervor, auf denen “Mietkonzept” steht und ich frage mich, wie die Leben der Menschen sind, die nach diesen Konzepten Räume füllen. Auf einmal bekomme ich keine Luft mehr und ich kann mein Herz bis in die äußersten Ränder meiner Ohren schlagen spüren. Nachwehen des Wochenendes. Ohne die beruhigenden Atembewegungen der Anderen rollt etwas über mich hinweg. Ich muss aussteigen.
Der Wunsch nach uneingeschränkter Rückendeckung, vor meinen Augen der Marmor des leeren U-Bahnhofs Mohrenstraße. Schließlich bleibe ich eine halbe Stunde lang sitzen und beginne wieder zu spüren. Der schmale Grat zwischen einem zu viel und einem zu wenig (Denken an Virginia Jetzt und „ich geb immer zu wenig und will immer zu viel“).

Je mehr Türen eine U-Bahn hat, desto mehr können kaputtgehen. Danach fährt der Zug schneller. Auf den Grundstücken über uns ein großes Bewegen und Treiben, selten Ruhe. Es ist leicht, sich jetzt allein zu fühlen.
Das Licht in der Klosterstraße ist kein Normlicht, weit entfernt von 5000 Kelvin und einer Farbe, die Kameras nicht zu etwas machen, das in keinem Fall dem entspricht, was das Auge sieht.

Im Psychrembel findet sich die Steinlaus mit einer Zeichnung von Loriot, eine Seite nach dem Stakkatohusten, der mich an Tom Waits denken lässt und an die schon länger aufzufrischenden Impfungen. Ein alter DDR-Impfpass als Referenz und die Entwicklung meines Gewichts von Geburt an bis zum ersten Lebensjahr.

Man kann alles so sehen, als wäre es das erste Mal, man kann alles so beschreiben, als hätte noch nie jemand darüber geschrieben. Je öfter sie mich fragen, ob es mir gut geht, desto mehr spuken meine Augen in grüner Farbe.
Das war zu erwarten gewesen, schließlich ein Kopfsprung in die Traumata, um die ich mich lange nicht mehr kümmern wollte. Nachwehen, am Nachmittag Migräne und Angst, fast sieben Stunden Schlaf und der bleibende Wunsch nach nachhaltiger, uneingeschränkter Rückendeckung (ein unbewusstes Sabotieren tritt stattdessen ein).

(Choir of Young Believers – Hollow Talk)

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