190116

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Nach der Sauna drehst du dich vor dem Spiegel um. Ein Dreieck, hinten links, auf dem Gluteus maximus. Schulterblatt rechts, dein Tierkreiszeichen. Wenn du lange genug suchst, findest du bestimmt auch Punkt-zu-Punkt Bilder, die wie ein Bett aussehen.
Mittlerweile weißt du, wie die Stimmungen aussehen, durch die du dich bewegst. Du denkst an Wellenformen, an Rauschen, bis vor einiger Zeit nicht an ein sanftes, stetes, kaum bemerkbares Schaukeln. S sagt, deine Stimmung wirkt seit sehr langer Zeit immer sehr stabil, keine Ausschläge nach oben oder unten, vielleicht ist das eine Emanzipation von dir selbst. Das meiste machst du mit dir aus, mit dir und deinem Skizzenbuch. Wenn du zu viel schreibst, ist etwas im Argen, gibt es irgendwo ein Ungleichgewicht. „I hurt more when I write.“ Dein Vater und du, wie ihr über das Wechseln von Autoreifen sprecht und du, wie du dich gefühlt hast, als du emotional nur auf drei Rädern unterwegs warst. Introspektion, denkst du dir, muss man sich erarbeiten – du hattest in Begleitung sechs Jahre dafür Zeit. Sortieren kann nur gut sein, irgendwann ist es aber auch mal alles in Ordnung.

M sagt, du seist sehr lange nicht mehr so hyper gewesen; in deinem Kopf Pneumothorax und Spannungspneumothorax und wie du manchen Menschen noch viel mehr erzählen willst, mehr als nur Brotkrummen hinwerfen magst.

Samstage zerschneiden dir das Zeitgefühl, auf einmal dreißig Stunden Schlaf am Stück, eventuell war das ein Kranksein, eventuell hast du weder etwas gegessen noch getrunken. Cholecalciferol markiert den Beginn, eine Wochendosis Kreta. Hunderterpack, du willst während der Parlamentsdebatte durch den Bildschirm schreien. Fifty Shades of Wrong.
Bell Yard, Royal Courts of Justice, Bond Street, Waterloo Bridge und zurück nach Southampton Row. Sie fragen, wieso du nicht öfter an der Themse bist und du nur entgegnest, dass du so schon genug Heimfernweh hast. Einen Tag später sitzt du also wieder vorm Bildschirm und willst durch ihn steigen, denkst an die ältere Dame aus dem House of Lords, die von Generationen nach ihr spricht, du hast die Selbstverständlichkeiten im Kopf mit denen du aufgewachsen bist. Keine Grenzen, ein Zusammenrücken.

„take off your layers“
(Charlotte Hatherley – Alexander

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