190501

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Dein Vater war schon sehr früh sehr weiß, kurz vor der Farbe auf der du gerade schreibst. All das wiederholt sich in dir, auch erkennst du wie ähnlich sich eure Hände sind. You are your father’s child. 
Unterschiedlich gesättigte Augen, es spukt das Meer aus ihnen heraus. Irgendetwas zwischen ruhig und wartend, mit ein wenig Gischt, zu vielen Ideen, etwas gelangweilt von Berlin und voll mit Flausen und deinem Lachen. Auf einmal das Gefühl, du kannst gar nicht so schnell rennen, wie du es willst, dieser Drang aus heiterem Himmel heraus. Manche Menschen kannst du nur aus der Ferne berühren, deine Oma sagte dir das immer, so ist das nunmal mit den Frühlingskindern, bevor sie dir zeigte, wie sie Eierkuchen in der Luft wenden kann. Und du schlucktest, weil du wusstest, dass sie das nur zu deinem Geburtstag, dem gen Ende des Frühlings, macht.

Du, wie du etwas Trauer spürst wegen der Blütenblätter, die du dabei beobachtest, wie sie über Gehwegplatten wehen und im nächsten Hauseingang verschwinden. Irgendwie schön, aber unnötig zu traurig. Das muss wohl so, denkst du dir, alles unglaublich klar, dir war es schließlich fast dreißig Jahre lang egal. Wir wissen, was das hieß. Kein Herz ist wie ein Berliner Zimmer, alle brauchen und wollen Licht und Wärme. Deines ist mehr Sunroom als Mietskaserne.

„And I’d die to know what’s going on in your head.“
(Nilüfer Yanya – In Your Head)

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