190710

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Berlin.

Du stehst am Strand voller Eisplatten mit viel zu dünnen Sneakern und zwei paar Socken; Du sitzt bei über fünfundzwanzig Grad auf dem Tempelhofer Feld mit den Stoffschuhen, die du seit zwei Jahren an gefühlt allen Füßen siehst und in viel zu dicken weißen hochgezogenen Baumwollsocken. Du starrst auf die Nordbahn, in deinem Rücken der kleine Hang. Herrndorf hatte da noch dieses ganz andere Leben, das du nicht kanntest, das als Maler, als Illustrator. Von draußen her riecht es etwas nach verbranntem Brot, die große Straße auf Tempo Dreißig.

Wien.

Eigentlich müsstest du jetzt zur Troststraße fahren, das denkst du, da kommt man mit der U-Bahn hin, da ist bald Endstation. Dann sind es auf einmal achttausend Menschen, eine große Halle und ein kleiner Tisch, den du dir mit einer fremden hilflosen Person teilst. Draußen über dreißig Grad, drin frierst du in deinem gefütterten Pullover; die Klimaanlagen bläst dir in den Nacken. Sieben Stunden Migräne und Krämpfe.

„Don’t you realize, our bodies could fall apart at any second?“
(Car Seat Headrest – Bodys)

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