180115

Vor Jahren diese aberwitzige Idee, einen Roman über Berlin zu schreiben, kein Berlin Alexanderplatz, kein Roman über den Prenzlauer Berg, keine Grausamkeiten, keine Morde. Diese aberwitzige Idee hast du dann eine Zeit lang dir gegenüber verteidigt, nur um sie nach längerer Recherche mit einem Seufzen abzuschließen. Du hast festgestellt, dass sie in all der Zeit, die du schon in dieser Stadt wohnst, sich in all deine Worte, deine Musik, deine Fotografien, deine Zeichnungen gelegt hat wie ein futuristischer Roman, den man nicht unbedingt greifen kann. Eine Art Zettelsammlung, ein Albtraum für jeden Nachlassverwalter, sollte dieser irgendwann einmal irgendetwas von dir zu verwalten haben. Du klaubst dir also diese kleinen Stücke Berlin zusammen, sitzt am Humboldthafen, denkst daran zurück, wie sie in Hedwig wollten, dass du durch den Monbijoupark joggst und du sie nur ungläubig ansahst, spürst die Momente in dir, in denen du genau wusstest, dass diese Metropole gut zu dir ist und du im Umkehrschluss gut zu ihr und ihren Einwohnern.

Wenn du durch dieses hunderte Seiten dicke Buch von Döblin blätterst, bemerkst du die Ortsverweise, die du dir angestrichen hast. Du bemerkst, dass du dich von allein an diese Orte hast ziehen lassen. Vielleicht hat dich einfach nur Mitte in seine Mitte zitiert. 
Du denkst an Sauen und den Sauener Wald und einen Absatz, über den du immer noch lachst und der für dich irgendwie mehr mit Berlin zu tun hat als du es verstehen kannst: August war ein ziemlicher Badass Motherfucker, bevor er Nazi-Sympathisant wurde. Ich hätte mir keine Nadel in die Wirbelsäule in einem Selbstversuch gerammt, nur um herauszufinden, ob da ne Anästhesie möglich ist. Charité heißt Barmherzigkeit.

Du hast deinen eigenen Takt, du beginnst, nicht mehr zu spät zu kommen, du verstehst den Takt manch anderer Menschen nicht. Beschäftigst dich seit Zuzug noch viel mehr mit Anwesenheit und Abwesenheit, mit Sprachlosigkeit. Du beobachtest, wie schnell sich Haltungen und Gefüge ändern können, manchmal sogar innerhalb von wenigen Tagen. Du rennst nicht mehr so sehr hinterher, willst aber anfangen zu joggen, schließlich läufst du schon schnell, da fehlt nicht mehr viel.

Grundsätzlich rennst du aber zumindest nicht mehr nach der U-Bahn.

„I was a ghost
Hunted and fled“
(RY X – Only)

171231

Du trägst Murmeln mit dir herum, sie klappern bei fast jedem Schritt. Eigentlich wollte ich dir noch von Günter erzählen und dem Ort da am Wasser am Bahnhof am Betonstrand, wieso weiß ich nicht genau. Eventuell, weil ich schon angefangen habe, darüber zu schreiben. Wenn ich mir selbst ein Echo gebe, geht es für mich um etwas, zumeist um meine Zeit, zumeist um eine Sektion meiner inneren Schichten. Davonlaufen oder stehenbleiben oder beides im gleichen Moment.
Du lässt das alte Jahr ausklingen, ich zeichne an gegen ein Vergessen, nur meinem eigenen Gehirn muss ich im kommenden Jahr noch etwas beweisen. Das meiste ist nur in deinem Kopf, Projektionen, die sich durch die Gesichter und Pixel ziehen, Bildschirmoberflächen und die Suche nach etwas tiefem. Aber dann gibt es da Webseiten und Profile und Menschen, die gleichzeitig existieren und dann doch nicht mehr. Du starrst weiterhin darauf, ich gehe sicher, dass noch alles da ist, ohne selbst etwas zu tun. Von meinem sich weigern, jemanden an die weichsten Stellen meiner Haut zu lassen, den man schnell durchschaut hat, wie bei den anderen, ich langweile mich schnell. Von einem Zeit nach oben zählen. 

Ich trage leise Fragen mit mir herum, irgendetwas zwischen unbekannt und seltsam vertraut, deshalb verschlucke ich mich so leicht an ihnen.
Aber dann: kein Fahren ohne Anfahren. Fahr bitte los.

„I’ll take a rest from walking too slow
I’m running too fast“
(WEBERMICHELSON – We take it slow)

171227

Als gäbe es ein Fass in mir drin, eines, das aufnimmt, was mich umtreibt. Wenn ich will, möchte, muss, kann ich einfach das, was ich fühlen will, denken. Ein Hineindenken als wäre da etwas wie eine wohlig warme Decke, eine, von der ich denke, dass ich sie aushalten und tragen möchte. Früher immer nur ein Hineindenken, heute ein Wollen.

Von einem Gehen und Werden und der Frage, was mein Gehen bedeuten würde, würde ich bleiben können, sollen, dürfen. Ein Herausfiltern eines vielleicht. The suspense is killing me.

„bring yourselves to me“
(Rhye – Count to Five)

171212

Du lässt dir generell viel Zeit, denke ich weiter und beschäftige mich wieder mit Fragestellungen, die ich alleine nicht lösen möchte. Auf der Haut über meiner rechten Clavicula ein Leberfleck, ansonsten der große Wagen auf dem oberen Teil meines Brustkorbes. Ich frage mich, wie sich eine Berührung davon anfühlt.

Berlinmomente, die sich durch alle Beobachtungen ziehen. Hier ein wenig Psychose, dort etwas viel Einsamkeit. Du vermutest, dass das etwas mit dem Wetter zu tun hat und hastest voran. Splitt, wieder, unter den Sohlen, das Gefühl, als könntest du eigentlich jetzt schon mit dem Schlitten fahren. Über Steine oder Schnee: es ist dir herzlich egal, vielleicht läufst du aber doch lieber.

Deine Muskeln erinnern sich an das letzte Mal, als du sie benutzt hast, ein Wurf nach der länger verschwundenen Kondition hin und Kälte, wenn du dir dann nachts beim Schlafen doch wieder diesen einen Nerv einklemmst und beim Aufwachen lachen musst. So ein Moment.

Du verortest dich regelmäßig, täglich fast, du hörst aufmerksam zu, schreibst gelegentlich mit. Die Poesie der Zwischenzustände, alles auf dem Weg zum Anderen. Wenn du nach etwas Bestimmtem suchst, bist du auch nur an einem zukünftigen Zwischenzustand interessiert. Du weißt, dass du wirst, du weißt, dass du nicht aufhörst zu werden.

Dinge, von denen ich nicht wusste, dass sie durch meinen Kopf fliegen. Ich habe das Gefühl, ich muss mich wieder schreiben.

„it’s unfortunate but when we feel a storm“
(Massive Attack – Paradise Circus)

171203

Du hast dir Zeit gelassen, denke ich, ich stehe seit ein paar Minuten am Bordstein der Straße, in der die Busse gelegentlich in Kolonnen kommen. Um die Ecke eine Straße, die den Namen meines Geburtsortes trägt. Bist du verwebt in die Textur des Wissens, das du dir hast aneignen müssen seit deiner Geburt, wo fangen die Versatzstücke an, hast du Sollbruchstellen? Wo beginnen deine intertextuellen Bezüge, gibt es da etwas, das größer ist als alles, was du hättest werden wollen?
Vielleicht habe ich von etwas erzählt, aus Versehen, etwas, an das ich mich selbst nicht erinnern kann und will; 256 Varianten von allem. Momente, in denen die Stadt mir näher ist, als ich es gebrauchen kann. War das fahrlässig? Das Paar, das zu einem schief singenden älteren Herren über den leeren Columbiadamm tanzt, Menschen, die sich um die Hälse fallen. Ich laufe jede Rolltreppe sehr schnell hoch, fast so als wäre ich eine Fata Morgana gewesen.

Beim Fotofachhändler meines erzwungenen Vertrauens hassen sie mich, die Alte Schönhauser Straße mag ich nur bei Regen und untergehender Sonne. Hedwig, nicht zu weit entfernt, thront in Ruhe zwischen den Häusern, gelegentlich kann man noch die Synagoge sehen. Das Haus mit den Einschusslöchern, das am Zugang zur Kirche, verlangt nach meiner Berührung. Ich verlange ebenso nach Berührung. In der S-Bahn riecht es noch wie vor drei Jahren.

Vielleicht bist du aber wie eine Pipette, lernst, alles in dir aufzunehmen. Vereinzelte Glanzmomente und dann doch die Prognose von Herrndorf, die dich auch damals schon getroffen hat. Du stellst dir vor, wie er in der Klinik am CCM in seinem Pinguinkostüm sitzt und wartet. Um ihn herum alles still.
Lese mich dementsprechend ein paar Tage später durch die verschiedenen Neoplasien des Körpers und deren WHO-Klassifikation. Ich bekomme den Kopf nicht frei. Hier bauen sie Weihnachtsbäume auf, etwas schief, etwas off-centre. Für mehr Herzlichkeit, für ein Rückbesinnen auf sich selbst, ich mag es nicht, wenn ich zu aufgeregt bin.

Ich beobachte zwischendrin den Fluss der Menschen auf der Straße an dem Bordstein, auf dem ich gerade noch stand, mir ist kalt. Ein bisschen versagt mir die Stimme und ich stelle lieber Fragen. Schon Hölderlin warnte davor, dass man auch in die Höhe fallen kann, ich rieche dein Waschmittel, in dir drin scheinbar auch ein stetes Beben.

„oh you think so much and live so little“
(Kraków Loves Adana – American Boy)

171116

Sauen I, Brandenburg, 2017

Das meiste könntest du dir noch nicht einmal ausdenken, selbst wenn du es wolltest. Wie du dich verortest und dir einen Zeitrahmen gibst. Ein Hin- und Herhangeln durch Nachrichtensendungen, all die kleinen Dinge, die du nicht mitbekommst, trotz alledem. Vielleicht ist der Wald in Brandenburg die Antwort auf alle Fragen, vielleicht willst du alles zu sehr und befürchtest, du willst nichts so richtig. Dir selbst eine Heimat sein, heimisch sein im eigenen Körper und doch oft schwer verstehen, was die Hülle und ihre Innereien von dir wollen. Blood, in mint condition, leider nicht mehr neu, nicht mehr OVP, nicht mehr so klein wie am Anfang.
Du fragst dich, wer die Kapitelseiten der Dualen Reihe gestaltet und beschließt, wieder mehr zu lernen. Wortwolken, freie Assoziation, du fragst dich, was das Leser interessieren soll. Du siehst dabei zu, wie die Menschen sich von sich selbst emanzipieren und die gleichen Mittel und Medien nutzen wie du. Die Angst vor Sartre, vor unausweichlichem Existenzialismus. Du beißt auf ein hartes Stück Plätzchen, der eine Zahn will nicht mehr ganz so sehr wie du.

Das waren einfach andere Bilder, da waren Bilder in dir drin, deren Inhalt nie exakt so sein kann wie in einem anderen Kopf. Die Einsamkeit der zentralen Nervensysteme.

Aber dann bist nicht nur du unsicher, dann sind es auch alle anderen. Denn nicht nur an deinen Ausgängen ist es immer frisch gestrichen, auch an denen von allen anderen und an allen anderen Stellen. Minimalinvasiv als Versprechen.

(Corrina Repp – Lost At Sea)

171010

In meinem Pass steht etwas von blau-grau, ein paar Nummern unten und oben rechts. Ich frage mich, was die Handwerker, die unsere Heizung repariert haben, die ganze Zeit machen. Das Wasser plätschert jetzt nur so durch den Heizkörper.
Gelegentlich das Gefühl, alle finden bald heraus, dass ich das, was ich kann, eigentlich nicht richtig kann. Hochstapler-Syndrom, nichts da mit ICD-10 oder dem DSM-V. Lebensgefühl, Lebensbefürchtung. Seit fast fünf Monaten medikamentenfrei, im Kopf allerdings schon lange an einem anderen Ort.
Ich dünste Gemüse, kaufe frisch ein, halte Ordnung. Morgens wache ich auf ohne mich zu fühlen als hätte ein Traktor mich überrollt. Meist stehe ich nicht auf, wenn ich das erste Mal meine Lider für den Tag öffne. Auf meinem Nachttisch ein Wecker, der meinen Vornamen trägt und unangenehm laut tickt und noch viel schlimmer klingt, wenn er läutet.
Die Frage früher, also damals, wie die normalen Leute planen und sich motivieren und wie sie erkennen, dass sie Ziele haben. Ich möchte wissen, wie es denen geht, die ich kurz kannte. Jahrestage, die sich überschlagen, Besuche, Bedauern, Retraumatisierung, ein geplatzter Knoten. Zwei Bücher in Erinnerung. Eines, da war ich vier und konnte Fraktur lesen und schreiben – Märchen; eines, da war ich sechs und wollte mir die ganze Zeit Krankheitsbilder ansehen, auch wenn ich von den Erläuterungen eigentlich nichts verstand: Psychrembel. Jetzt bedeutet elf Auflagen später.

Auf meinem Ausweis steht etwas von blau-grau, ich frage mich, ob sie nie richtig hingesehen haben. Mein Gesicht als Hologramm, daneben, Haare wie ein Helm. Im Spiegel ist da Wald und an einigen Tagen in besonderem Licht auch Beton, am anderen Ende von diesem Kranz um den Lichtstrahl wohl vom Namen her mehr waldartiges.
Ein Jahr und letzte Stufen Abgrund bevor die Genesung so richtig einsetzen konnte. Teilweise Fremden dabei zusehen, wie sie über meine klar gezogenen Grenzen trampeln, sich fragen, was Menschen dazu berechtigt, dass sie in Leben preschen. Ein Jahr, in dem ich auf die harte Tour gelernt habe, was toxisch ist, was auf die Rückbank gehört und irgendwann zu vergessen ist. Denken und sich lieber erinnern an das und die, die nie nur Dickicht oder eine exotische Topfpflanze sahen.
Weißt du, in meinem Gehirn gibt es einen eineindeutigen Ort, in dem du wohnst, im besten Fall lebst du in mehreren. Vielleicht ist das der Spuk, von dem manche sprechen. Deine Ecken und Kanten konnte ich nie ganz ausloten, meine waren eher wie der Marianengraben. Weißt du, der Konjunktiv ist niemandes Freund, aber besser ein Lernen im Großen und Kleinen als ein langsames Ablösen.

Weißt du, große Fenster sind mein Fluch und mein Segen zugleich. Möglicherweise ist das hier das größte Fenster, das ich habe. Früher, beinahe ein von außen auf mich selbst sehen, eine Rekonstruktion von Teilchen, die in Chronologie nicht immer ein Ganzes bilden.
Ich wollte dir hier in Regelmäßigkeit etwas hinterlassen, eine Art Haltegriff, eine Art warme Decke. Weißt du, es gibt mehrere Versionen von dir, du bist alle Personen, die ich kenne, du bist nur eine Person davon.

a thousand vacant stares won’t make it true
(Andrew Bird – Roma Fade)

170827

Ich wünsche mir ein Haus, von dem ich erzählen will, keinen Kokon, der mich traurig macht. Keinen, in den ich schon lange nicht mehr hineinpasse. Das ist wie mit einem Handschuh, der einem zu klein ist und dessen Nähte sich in die Nagelbetten der Fingerkuppen einschneiden, kurz vorm Bluten.
Manchmal braucht es eine andere Stadt um zu sehen, dass die Stadt, in der ich lebe, wie ein Buch ist, das mir nichts mehr sagt.

Du weißt schon: das geht bestimmt alles weg vom Herzen und dann wiederum irgendwann zurück dahin.

Hurray for the Riff Raff – Hungry Ghost

170825

Erdbeben in mir drin, die Plattentektonik der Ziele. Letztendlich bewegt sich alles, schon immer, in gewissen Bahnen. Nur haben viele andere darum schon immer gewusst. Wie fühlt es sich an, auf dem richtigen Pfad zu sein, was ist Motivation? Da war nicht nur Pulver, da gab es keine Mosaike, da waren etwas größere Puzzleteile – nicht die 5000 Teile Puzzles, die Fotos von Himmeln darstellen sollen und an denen man verzweifelt, weil partout nichts passen mag.

Der Jahre verschlingende Irrtum, man sei kaputt, ein tiefer Graben, ein schwarzes Loch. Eines, das lebenslang darauf angewiesen ist, Medikamente zu nehmen, in Therapie zu sein. Ich bin mein eigener Atlas, kann alleine, kann selbständig gehen. Bin oft auf mein Steißbein gefallen und habe mich gewundert, wieso da nie etwas gebrochen war. Aufgestanden mit Hilfe, wenn es von allein dann doch nicht mehr ging.

Machen, was man macht, weil es für einen selbst ist, nicht, weil man jemand anderem nacheifert.
Der Wunsch nach einer geradlinigen Biographie, das vielleicht, weil alle es wollen und suchen in allen Ecken; die Vorstellung, dass das trotzdem nicht passen wird. Die Herausforderung, sich nicht zu sehr in die Ängste hineinzusteigern. Das Aufbäumen gegen die Pathologisierung von allem. Spezielles und Ups und Downs und der Wunsch, Wege zu gehen, von denen ich jahrelang nicht wusste, dass ich sie gehen muss.

In mir drin immer noch ein stetes Beben.

HELMUT – Silence Suits You

170522

Dann war da noch der Mann vor dem Eingang der Klinik und wie er begann zu krampfen und zusammenbrach, als ich zu ihm gelaufen war. Wie niemand da war, weil sie wohl alle Kaffeetrinken waren und ich dachte, dass mir gleich die Stimme versagt, der Mann war viel zu schwer, als dass ich ihn auch nur zehn Zentimeter hätte bewegen können. Wie sie dann gerannt kamen, wie ich mich hilflos fühlte, wie ich einfach nur wissen wollte, wie ich helfen kann, aktiv. Wie ich dann an Herrn C. denken musste, an das, was er vor zwei Jahren sagte. Adrenalin und ein kleines Stück Dissoziieren, als Schutz von früher, früher immer passiv. Es reicht mit passiv.
In dem einen Raum im Keller, in dem ich häufig sitze, die Fenster auf Höhe des Fußwegs draußen, viele Bäume, grün, Ruhe. Manchmal kann ich gar nichts hören vor lauter Stille. An diesem Tag aber, ganz dringend, musste ich in die Sonne, nach oben, um zu beobachten, was lebt.

Du bist nicht wie eine Wand, du bist wie Stargate, sagte J und ich musste sehr laut lachen. Alles davon, eigentlich immer wahr. Vorgenommen etwas deutlich zu sagen, das hatte ich. Dann zu Linien zusammenklebende Rapsfelder, Weinberge und der Main in etwas Entfernung. Es brodelt in mir drin und ich weiß nicht wohin damit, obwohl ich genau weiß wo es hin müsste.
Und dann denken sie, es fiele mir leicht, ständig zu erzählen, was mich umtreibt, wieso ich es vorziehe, lieber allein geblieben zu sein als in einer Partnerschaft mit irgendjemandem zu sein. Die Romantisierung und Idealisierung von Schlussfolgerungen, die für mich überlebenswichtig waren, mein Unverständnis, wenn man nicht zum gleichen Schluss kommt. Zwei Schritte zurückgehen. Denken an den Mann, der mich über mein Privatleben ausfragt, der mir sagt, dass man sich an mir emotional gut abarbeiten könne; mein Innerstes also als Sparringspartner für die eigene Weiterentwicklung. Zwei Schritte vorgehen. An sich ist alles gut, es brodelt, es lebt. Mein Gehirn wird nur langsam ungeduldig mit dir; es langweilt sich schließlich schon, wenn ich es nicht mit genug Informationen versorge. Eigentlich ist es aber viel ungeduldiger mit mir, ist ständig zehn Schritte vor mir und allem um mich herum.
Welche Engramme von dir sind eigentlich schon vorhanden?

you fill my eyes with your smiles
my brain with your chemicals
(Big Scary – The Opposite of Us)